
Die „Besten der Besten“: Relativgesamtsieger Markus Schick vom FC Rhein-Main Rüsselsheim mit
177,5 Relativpunkten (Mitte), links Klaus Semskij (Bavaria Landshut) mit 167,31
und rechts Andreas Ehlinger (FAC Sangershausen/157,02)
Es ist ja ein
dickes Ding! Nach dem Sieg bei den Senioren-Europameisterschaften im Bankdrücken
holte Klaus Semskij vergangenes Wochenende im bayerischen Oberölsbach auch die
deutsche Meisterschaft der Aktiven in der Klasse bis 110 kg. Mit neuer
deutschen Rekordlast von 283 kg deklassierte er die gesamte nationale Elite und
verwies den Birkenfelder Mitfavoriten Nikolay Esipov
(260 kg) und Jens Christalle (Geringswalder HV) mit
250 kg klar auf die Ränge. Zuvor hielt Titelverteidiger Oliver Beck (Magdeburg)
dem Steigerungspoker nervlich nicht stand und schied mit drei Fehlversuchen
aus.
Schon allein, wenn ein
Seniorenheber die Qualifikation für die deutsche Meisterschaft schafft der Aktiven
schafft, zeigt das eine außergewöhnliche Klasse. Wenn aber ein 45-jähriger
Senior die deutsche Elite „aufmischt“ und die amtierenden deutschen Meister „im
Regen stehen lässt“, dann wird seine Ausnahmeposition im Bankdrückerlager
offensichtlich.
Die Meldeliste prognostizierte
eine hochbrisante Auseinandersetzung im zweiten Schwergewicht. Neben dem
zweifachen deutschen Meister und Titelverteidiger Oliver Beck stieg neben dem
Landshuter auch der 100 kg-Meister des Vorjahres, Nikolay Esipov,
in diese Klasse auf. Damit trafen drei Heber aufeinander, deren
Leistungspotential jenseits der 550 Pfund-Marke liegt.
Im ersten Durchgang legte der
schwächste Starter 180 kg vor, um die Medaille begann das Kräftemessen mit Episov, der 260 kg in Wertung brachte, Beck verfehlte 265
kg und Semskij übernahm mit lockeren 272,5 kg die Führung. Daran änderte sich
in der 2. Versuchsrunde nichts, weil der Birkenfelder an 270 kg hängen blieb
und der Titelverteidiger aus Magdeburg trotz des Patzers in der Vorrunde auf
272,5 kg steigerte, um Semskij aufgrund des leichteren Körpergewichts
abzulösen. Während dem Meister die Nerven versagten, kam der Landshuter mit
277,5 kg so richtig in „Fahrt“.
Im letzten Durchgang waren die Favoriten auf „Schadensbegrenzung“ bedacht und wollten zumindest ihre Medaillen sichern. Episov (270 kg) und Beck (272,5 kg) blieben aber die Hantelberge auf der Brust liegen. Während Erstgenannter sich zumindest mit der Silbermedaille tröstete, ging der Vorjahres-Champion leer aus. Obwohl zu diesem Zeitpunkt der Bavarianer bereits deutscher Meister war, ließ er sich die neue nationale Bestmarke von 283 kg aufladen und wuchtete unter tosendem Applaus der total überfüllten Halle die Hantel nach oben.
Einen kleinen Wermutstropfen gab
es für Semskij doch: In der Relativgesamtwertung musste sich der Landshuter
Kraftprotz hinter Leichtschwergewichts-Weltmeister Markus Schick mit Rang zwei
begnügen. Das machte er aber dadurch wieder wett, indem er mit 283 kg die
höchste Last der gesamten deutsche Meisterschaften drückte. „Da hat’s ein
Senior den Jungen wieder mal richtig gezeigt“, kommentierte trocken ein
fachkundiger Fan.
Das Auftreten weiterer Bavarianer
in Oberölsbach verlief weniger erfolgreich. Unplatziert blieb Mario Schwanke im
ersten Superschwergewicht, weil er entgegen aller Ratschläge, durch eine
Grippeerkrankung stark geschwächt, an die Hantel trat. Er hatte an 252,5 kg
ebenso wenig Glück wie an 255 kg und verzichtete resigniert auf den dritten
Versuch.
Daniela Falck bekam im Leichtgewicht mit 82,5 kg nur den
ersten Versuch in die Wertung und musste
sich mit dem fünften Platz zufrieden geben.
Ähnlich erging es auch Leichtschwergewichtler Alexander Denk. Auch er kam nicht über seinen ersten Versuch an 170 kg hinaus und landete auf Rang sechs.
Karl Greiner